Hohes Venn Geschichte: Pavé Charlemagne, Station und Brände
Geprüft am 30. September 2026
Ein Weg durchs Moor
Mitten auf der Hochfläche verlief einst eine Straße, die man heute Pavé Charlemagne nennt, auch Via Mansuerisca. Forstleute stießen Ende des 18. Jahrhunderts auf die Reste einer Trasse, die das Hohe Venn durchquerte. Die Station scientifique der Universität Lüttich beschreibt auf ihrer Seite zum Pavé Charlemagne, wie der Bau sich dem Untergrund anpasste: Auf festem Boden genügte ein Schotterbett, über den Mooren dagegen entstand eine regelrechte Pfahlkonstruktion. Weil sich die Straße jenseits des Plateaus nicht fortsetzt, funktionierte sie nach dieser Deutung ein wenig wie eine lange Brücke über das Moor, ausgerichtet von Nordwest nach Südost. Ein mittelalterlicher Karren, 2004 am Wegrand gefunden, spricht für eine lange Nutzung.
Ältere Karten führen den Weg als “Chaussée de Jules César” auf, doch ein römischer Ursprung gilt nicht als gesichert. Neuere Forschung setzt den Bau zwischen dem 2. und dem 7. Jahrhundert an und die Aufgabe um das 14. Jahrhundert. Die Station nennt als Autoren Joseph Bastin, Maurice Streel und Serge Nekrassoff; Veröffentlichungen aus den Jahren 1934 bis 2018 sind dort aufgeführt. Zur Namensfrage gibt es einen Aufsatz auf orbi.uliege.be, eine kurze Einordnung bietet die französischsprachige Wikipedia zur Via Mansuerisca.
Herberge, Signal, Station
Die Herberge Baraque Michel wurde nach der englischsprachigen Wikipedia in den Jahren 1811 bis 1813 von Michel Schmitz gegründet. Zu Höhe und Lage des Ortes widersprechen sich die Quellen, weshalb hier keine Zahl steht.
Der Signal de Botrange gilt seit 1919 als höchster natürlicher Punkt Belgiens; er liegt auf 694 Metern, wie die Botrange-Seite genauer ausführt. Seit 1924 besteht am Mont Rigi (680 Meter) die Station scientifique der Universität Lüttich. Sie wurde 1947 in Holz neu errichtet und erhielt 1975 einen Steinbau; heute misst dort auch eine automatische Wetterstation (nach der französischen Wikipedia zum Mont Rigi). Was die Station sonst veröffentlicht, steht weiter unten im Abschnitt Veröffentlichungen der Station.
Datenliste in Kurzform
Wo Quellen sich decken, gilt das Datum. Bei Streit steht die Spanne.
- 1768: Fund des Wegs unter dem Torf, nach Angaben zur Via Mansuerisca (französische Wikipedia). Die Station selbst spricht nur vom späten 18. Jahrhundert.
- 1811 bis 1813: Gründung der Baraque Michel (englische Wikipedia).
- 1911: Großbrand. Die Angaben reichen von 2.000 Hektar Venn und 400 Hektar Wald (französische Wikipedia) bis zu fast 4.000 Hektar (niederländische Wikipedia).
- 1919: der Signal de Botrange als höchster Punkt Belgiens.
- 1924: Station scientifique am Mont Rigi.
- 1957: Einrichtung des Naturreservats.
- 1971: Gründung des Naturparks Hohes Venn-Eifel.
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- April 2011: Brand bei der Baraque Michel, am Abend des 26. April unter Kontrolle, etwa 1.300 Hektar.
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- August 2026: Beginn des größten Vegetationsbrands in Belgien seit 1911, laut Wikipedia in der Gemeinde Baelen.
Die Großbrände
Wie sehr der Brand von 2011 nachwirkt, zeigt ein Rückblick der RTBF (rtbf.be zum April 2011): über fünfzehn Feuerwehren, ein Polizeihubschrauber und deutsche Verstärkung.
Am 14. August 2026 begann ein Brand, der nach den Angaben der deutschen Wikipedia bis zum Abend des 15. August auf rund 2.700 Hektar anwuchs. Die Wallonie nennt als Endfläche rund 3.370 Hektar, die deutsche Wikipedia rund 3.400. Die Ursache ist nicht geklärt. Was daraus für Wege und Sperrungen folgt, ändert sich laufend, deshalb steht es nicht hier, sondern auf Waldbrand im Hohen Venn mit Verweis auf die zuständigen Stellen. Zum Gebiet selbst siehe Natur und die Regeln für Besucher unter Wandertipps.
Angaben geprüft am 30. September 2026.
Vom Reservat zum Regelwerk
Das Naturreservat wurde 1957 eingerichtet und 2000 durch einen Beschluss der Regierung der Wallonie abgegrenzt, wie die französische Wikipedia berichtet. Die heutige Verordnung stammt aus dem Jahr 2018, wurde 2022 geändert und beruht auf einem Gesetz vom 12. Juli 1973. Zwischen 1957 und heute liegen also mehrere Schritte, vom ersten Schutz bis zu den Artikeln, die den Zutritt auf ausgeschilderte Wege beschränken und Drohnen untersagen. Diese Regeln erklärt die Seite Wandertipps.
Beim Brand von 2011 zeigt sich, was das Reservat ausmacht: Etwa 1.300 Hektar brannten, fast ein Drittel der rund 4.500 Hektar. Die Zahl macht verständlich, warum das Feuer im Gedächtnis der Region bleibt.
Veröffentlichungen der Station
Die Station scientifique des Hautes-Fagnes der Universität Lüttich arbeitet seit 1924 am Mont Rigi. Ihre Veröffentlichungen liegen bei ihr selbst und bei der Universität, nicht auf dieser Seite. Deshalb gibt es hier Verweise, keine Nachdrucke und keine Zusammenfassungen. Die Texte bleiben dort, wo ihre Autoren und die Herausgeber sie bereitstellen.
Drei Einstiege bietet die Website der Station unter sshf.uliege.be. Die Liste wissenschaftlicher Veröffentlichungen führt die Seite Publications (Orbi), also ein Verzeichnis der Universität, in dem Arbeiten der Station gesammelt sind. Die Seite Librairie stellt Bücher zum Venn vor. Das virtuelle Museum erklärt die Moorlebensräume und zeigt die Sammlungen der Station seit 1924. Die verlinkten Seiten sind die französischen Fassungen.
Titel aus der Bibliothek der Station
Auf der Librairie-Seite stehen unter anderem diese Bücher, hier nur als Hinweis auf ihre Existenz:
- “Pavé Charlemagne” von Serge Nekrassoff, zum Ursprung der Trasse durchs Moor
- “1911. Les Hautes-Fagnes en feu” von K. D. Klauser, S. Nekrassoff, M. Paquet und B. Rauw, zum Brand von 1911
- “Haute Fagnes, cartographie ancienne” von Serge Nekrassoff
- “La Baraque Michel et la Croix des Fiancés” von S. Nekrassoff
- “Les « viviers » des Hautes-Fagnes” von Albert Pissart, zu den Lithalsen
- “Les paysages perdus de l’Euregio” von M. J. M. Bless und M. C. Fernandez Narvaiza
- “Textes fagnards”, Band 1 und 2, von Serge Nekrassoff
- “Images et visages des Hautes Fagnes” von S. Nekrassoff
Bestellwege nennt die Seite nicht. Wer ein Buch sucht, wendet sich an die Station: Telefon +32 4 274 87 90, aufgeführt auf der Kontaktseite.
Zum Weiterlesen im Netz
Der Pavé Charlemagne hat eine eigene Seite bei der Station, Le Pavé Charlemagne, und einen Aufsatz zur Herkunft des Namens auf orbi.uliege.be. Zur Natur des Gebiets führt Natur im Hohen Venn weiter.
Verein
- Les Amis de la Fagne veröffentlichen seit mehr als sechzig Jahren zu Fauna und Flora, Naturschutz, Geologie, Geschichte und Volkskunde: www.amisdelafagne.be.
Häufige Fragen
Was ist der Pavé Charlemagne?
Eine alte Straße, auch Via Mansuerisca genannt, deren Reste Forstleute Ende des 18. Jahrhunderts fanden. Nach der Station scientifique der Universität Lüttich ruhte sie auf festem Boden auf einem Schotterbett und über den Mooren auf Pfählen. Ein römischer Ursprung ist nicht gesichert.
Seit wann ist der Signal de Botrange der höchste Punkt Belgiens?
Er gilt seit 1919 als höchster natürlicher Punkt des Landes, auf 694 Metern.
Wann gab es die großen Brände im Hohen Venn?
Ein Großbrand fällt in das Jahr 1911, die Angaben reichen je nach Quelle von 2.000 Hektar Venn und 400 Hektar Wald bis zu fast 4.000 Hektar. Der Brand vom 25. April 2011 bei der Baraque Michel erfasste etwa 1.300 Hektar. Der Brand vom 14. August 2026 umfasste nach Angaben der Wallonie rund 3.370 Hektar.
Wo finde ich die Veröffentlichungen der Station scientifique?
Bei der Station selbst unter sshf.uliege.be: auf der Seite Publications (Orbi), in der Librairie und im virtuellen Museum. Diese Seite gibt keine davon wieder und verweist nur dorthin.